Der Verdi Warnstreik im öffentlichen Dienst hat am gestrigen Dienstag überwiegend die Kindertagesstätten von Paderborn getroffen. Demnach wurden rund 21 der 31 städtischen Kitas bestreikt. Zwar gab es einen Notbetrieb und die Stadt teilte mit, dass ihr kein Kind bekannt geworden ist, welches keinen Platz in einer Notgruppe oder Ausweich-Kita bekommen hätte. Auch sind zunächst einmal keine weiteren Streiks geplant, aber ob diese Reaktion von Verdi die richtigen Personen trifft und im Bereich der Kitas konzentriert überhaupt angemessen ist, müsste ernsthaft hinterfragt werden.

Akzeptanz von Kita-Streiks bröckelt

Bedenkt man die langwierigen unbefristeten Kita-Streiks in 2009 und 2015, womit viele berufstätige Eltern in existenzielle Nöte gebracht wurden, treffen diese erneuten Streiks laut Matthias Mann vom Jugendamtselternbeirat kaum noch auf Akzeptanz bei den Eltern. So gehe es vielen Eltern zwar nicht darum, das Ziel in Frage zu stellen, sondern vor allem die Mittel anzuzweifeln.

An dieser Argumentation steckt in der Tat viel Wahres. So werden mit den Streiks die Eltern enorm unter Druck gesetzt. Die Träger, also in vielen Fällen die Städte, als eigentliche „Streikverursacher“ zahlen in diesen Zeiten jedoch keinen Lohn und haben allein im letzten Jahr dadurch mehrere Millionen Euro Lohnkosten eingespart.

Verdi entgegnet im vergangenen Jahr sei es um die Aufwertung des Erzieherberufs gegangen, bei den aktuellen Warnstreiks handele es sich um allgemeine Entgelt-Runden des öffentlichen Dienstes, bei denen die Erzieher selbstverständlich erneut beteiligt wären.

Verdi Forderungen für Erzieherinnen 2015:

  • neue Eingruppierungsregeln / im Schnitt 10 % mehr Gehalt

Ende September 2015 wurde der Kita-Tarifstreit nach Einigung mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände und den Gewerkschaften verdi, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Beamtenbund dbb durch eine Urabstimmung mit knapper Mehrheit beigelegt. Rückwirkend zum 1. Juli 2015 wurden folgende Lohnsteigerungen für den Sozial- und Erziehungsdienst beschlossen.

  • Erzieher: +4-4,5 % Lohnsteigerung
  • Kita-Leiter: +5-9 % Lohnsteigerung
  • Sozialarbeiter: +2 % Lohnsteigerung

Konkret wurden vor allem Verbesserungen für jüngere Erzieher und Sozialarbeiter vorgesehen. Vollzeitbeschäftigte bekamen seither zwischen 93 und 138 Euro mehr pro Monat. Sozialarbeiter erhielten zwischen 30 und 80 Euro monatlich mehr. Die Arbeitgeber bezifferten die Gesamtkosten des Abschlusses auf 315 Millionen Euro jährlich.

Verdi Forderung: Tarifrunde öffentlicher Dienst 2016

  • deutliches Lohnplus von 6 %
  • Sicherung der Altersversorgung
  • Schluss mit sachgrundlosen Befristungen
  • Verlängerung der Regelungen zur Altersteilzeit
  • 100 € monatlich mehr für Auszubildende
  • 30 Tage Urlaub für Auszubildende
  • Unbefristete Übernahme der Ausgebildeten
  • Einführung eines Arbeitgeberbeitrages zur Steigerung der Ausbildungsqualität

Zur Verdi Landingpage Tarifrunde ÖD 2016

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