Die Übernahme von Wincor Nixdorf durch den US-Konkurrent Diebold ist sprichwörtlich in letzter Minute gelungen. Letztlich haben sich 68,9 Prozent der Wincor-Aktionäre für das rund 1,7 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot entschieden und dem fast gleich großen Rivalen ihre Anteile zum Kauf angeboten, wie Diebold am Donnerstag mitteilte. Am Dienstag um 24 Uhr endete die Annahmefrist. Diebold benötigte 67,6 Prozent, damit die Übernahme zustande kommt.

Übernahme kurz vor dem Scheitern

Bis kurz vor Ablauf der Frist hatte es nicht so ausgesehen, als würde die Übernahme gelingen. Kleinaktionäre wurden von Diebold unter anderem mit großformatigen Zeitungsanzeigen umworben und 20 Prozent der der Wincor-Anteile seien in den Händen von Hedgefonds gewesen, die lange um eine Aufstockung der Offerte gepokert hatten. „Da wurde am Ende wild telefoniert und nachgefragt“, sagte ein Insider zu Reuters.

Erst am Donnerstagmittag und 36 Stunden nach Ablauf der Annahmefrist sei klar gewesen, dass Diebold doch noch das Ziel erreicht hatte. Noch am Dienstagmittag hatte der Diebold-Chef Mattes erst 48 Prozent der Anteile sicher.

Die Aktionäre beider Unternehmen zeigten sich nach der Übernahme erleichtert und die Wincor-Aktie stieg um 20 Prozent, ein Zwei-Jahres-Hoch, auf 52,75 Euro. Die Diebold Aktie legte nach Handelsbeginn in New York um 6,5 Prozent zu. Die Wincor-Papiere liegen damit nun sogar noch über dem Diebold-Angebot, das knapp 50 € je Aktie wert war.

Hedgefonds und andere spekulative Anleger hoffen nun, dass sie eine noch höhere Abfindung erhalten, wenn Diebold Wincor von der Börse nimmt. Wäre die Übernahme nicht zustande gekommen, hätte die Wincor-Aktie vermutlich erheblich nachgelassen.

Angebot war für Privatanleger unattraktiv

Da das Finanzministerium vor Kurzem entschieden hatte, dass Bar-Komponenten von Übernahmeangeboten bei Privatpersonen steuerlich wie Dividendenzahlungen zu behandeln seien, war das Diebold Übernahmeangebot für diesen Personenkreis, indem rund 10 % der Wincor-Aktien lagen, unattraktiv.

Eine Steuerbelastung von ~26 Prozent auf den Bar-Anteil von 38,98 Euro wäre rund 10 Euro je Aktie gewesen. Damit verringerte sich der Nachsteuer-Wert der Offerte auf etwa 40 Euro. An der Börse kostete der Anteilsschein in den letzten Wochen vor Frist-Ende stets mehr als 44 Euro. An der Börse hätten Privatanleger also rund 10 Prozent mehr erhalten.

Zustimmung der Kartellbehörden steht aus

Bis zum Sommer soll der Zusammenschluss nach Aussage von Diebold nun in trockenen Tüchern gebracht werden. Aktuell steht noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter aus.

Nach der Übernahme: So geht es weiter

Die Nummer zwei und drei der Branche aus Deutschland und den USA wollen einen Konzern mit 4,8 Milliarden Euro Umsatz und rund 25.000 Beschäftigen schmieden, der zum US-Branchenprimus NCR aufschließen kann. Der dramatische Wandel der Branche solle gemeinsam besser bewältigt werden, darüber hinaus gehen die Manager mit Einsparungen von 150 Millionen Euro pro Jahr durch den Zusammenschluss aus.

Rund eine Million Geldautomaten haben Wincor Nixdorf (Fokus Europa) und Diebold (Fokus Nordamerika) bisher aufgestellt. Zukünftig könnten Sie diese auch selbst betreiben.

Wincor Nixdorf heißt dann Diebold Nixdorf

Wincor Nixdorf werde in Diebold Nixdorf umbenannt und wird ihren neuen Sitz im US-Bundesstaat Ohio haben. Diebold Nixdorf soll aus North Canton und Paderborn unter Führung des Diebold-Chef Mattes geführt werden. Der ehemalige Wincor-Vorstand Heidloff wird als Präsident an Bord bleiben.

Belegschaft in Paderborn unter Druck

Nachdem ohnehin eingeleiteten Restrukturierungsprogramm, welches einen Stellenabbau von 500 Mitarbeitern am Standort Paderborn bis 2018 vorsah, mussten 2.000 Beschäftigte in Paderborn seit Jahresanfang nach Informationen der NW bereits Lohnkürzungen hinnehmen. Zudem befürchtete Wilhelm Rose, Gesamtbetriebsratschef von Wincor Nixdorf in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, dass rund 1.000 Stellen in Paderborn durch die Übernahme bedroht seien, da Diebold unter anderem über eigene Werke in Osteuropa verfüge.

Bis heute beteuert Wincor-Nixdorf zwar offiziell, derart massive Stellenstreichungen außerhalb des bisher verkündeten Restrukturierungsprogramms seien nicht geplant, jedoch bleibt die Weiterentwicklung nun unter neuer Führung von Diebold Nixdorf abzuwarten.

Eine Chance für beide Unternehmen

Grundsätzlich ist der Zusammenschluss aus Wincor und Diebold jedoch auch eine Chance für beide Unternehmen. So hatte Heidloff selbst bereits erkannt, dass das Hardwaregeschäft unattraktiver wird, die Branche sich im massiven Wandel befindet und wollte sich stärker auf das profitablere Geschäft mit Software und Service konzentrieren. Gemeinsam könnte der Konzern diesen Wandel entschlossener vorantreiben und hätte hierzu auch die notwendige Kapitalausstattung.

„Unser neues Unternehmen mit seiner vergrößerten Kundenbasis wird für das Wachstum bei hochwertigen Dienstleistungen und Software gut positioniert sein – insbesondere in den Bereichen Managed Services, Filialautomatisierung, mobile und Omnichannel-Lösungen“, so Andy W. Mattes, President und Chief Executive Officer (CEO) von Diebold.

Man sei davon „überzeugt, dass unsere Mitarbeiter davon profitieren werden, Teil eines noch leistungsfähigeren, globalen Unternehmens zu sein, das für das Zeitalter der Digitalisierung gut aufgestellt ist“, sagt Wincor Nixdorfs CEO Eckard Heidloff.

Gemäß dem Business Combination Agreement, wolle Diebold das laufende Transformationsprogramm von Wincor Nixdorf unterstützen. Über das bestehende Transformationsprogramm solle es keinen wesentlichen Stellenabbau geben. Zudem soll die Mitbestimmung im deutschen Aufsichtsrat erhalten bleiben und sämtliche arbeitsrechtliche Vorschriften und Bestimmungen weiterhin respektiert werden.

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