Die Kritik an der genehmigten Großraum-Diskothek für bis zu 1.000 Gäste an der Detmolder Straße reißt nicht ab. Neben einem offenen Brief der Nachbarschaft Paderborn Ost e.V. (ca. 40 Mitglieder) sowie entsprechenden Diskussionsabenden mit Vertretern der Stadt, protestieren nun auch die Anwohner mit Transparenten und Bannern gegen die Großraum-Diskothek an der Detmolder Straße. Hauptsächlich angeführter Kritikpunkt sei die unzumutbare weitere Lärmbelästigung neben den ohnehin schon zwei vorhandenen 24-Stunden Imbiss-Betrieben und einer lärmmachenden Tuning-Szene. Im Gegenteil fordern die Anwohner eine städtische Gesamtplanung, die zu einer Aufwertung der wichtigen Einfallstraße zur Paderborner Altstadt beitragen würde.

Ist die Kritik überhaupt gerechtfertigt?

Ob die anhaltende Kritik überhaupt berechtigt ist, muss allerdings in Frage gestellt werden, weil unter anderem der Bauordnungsamtsleiter Uwe Schnedar bereits zuvor auf Lärmschutz- und Verkehrsgutachten hingewiesen hatte, welche zu dem Ergebnis kamen, dass die Großraum-Diskothek inklusive der geplanten Lärmschutzmaßnehmen die gesetzlich vorgegebenen Höchstwerte einhalten würde.

Anwohner fordern neuen Standort der Großraum-Diskothek

Unterdessen fordern die Anwohner die Verlegung des Standortes auf stadteigene Flächen wie z.B. an der Kulturwerkstatt in der Bahnhofstraße oder auch zur Alanbrooke-Kaserne. Grundsätzlich ist die Alanbrooke-Kaserne als einst vom ehemaligen Bürgermeister Heinz Paus vorgesehenen neuen Standort der Stadtverwaltung wohl kein Thema mehr, da Michael Dreier das alte Orga-Gebäude am Hoppenhof als neuen Standort vorsieht, weil somit 35 Millionen Euro eingespart werden könnten. Die neuen Nutzungsmöglichkeiten der Alanbrooke-Kaserne seien somit bisher noch nicht abschließend geklärt. Sehr fraglich ist jedoch, ob die Planer der Großraum-Diskothek ein derart hohes Investitionsvorhaben bei der denkmalgeschützten Alanbrooke-Kaserne auch nur in Erwägung ziehen würden, zumal nach aktuellen Stand in den zwölf denkmalgeschützten Alanbrooke-Kasernengebäuden ebenso ein Umbau zu Wohnräumen vorgesehen ist und die Ausgangslage zur Detmolder Straße damit kein Deut besser wäre.

Die Paderborner Jugend kommt wieder nicht zum Zuge?

Fraglich bleibt, ob mit einer insofern nicht ganz abwegig zu unterstellenden Grundhaltung „Überall nur nicht vor meiner Haustür“ Paderborn jemals wieder in den Genuss einer Großraum-Diskothek kommen würde, welche sich viele junge Leute nach dem Aus des OX und der Fun Factory wünschen. Das Disco-Wandern in umliegende Städte wie Bielefeld, Herford oder Kassel könnte also weitergehen und würde weiterhin im Vergleich zu anderen Großstädten die Attraktivität von Paderborn für Studenten, jungen Auszubildenden sowie Arbeitnehmern ankratzen, wenngleich die Stadt auch über mehrere Clubs verfügt. Der Sogfaktor einer Großraum-Diskothek als ersten Berührungspunkt junger Leute mit einer Stadt sollte zumindest in all den Diskussionen auch nicht unterschätzt werden.

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