Die offenbar, zumindest in der Wahrnehmung, viel zu milden Strafen und das obligatorische „nach der Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt“ machen Deutschland als Ziel für Einbrecherbanden offenbar attraktiv. Dies weiß man nicht erst seit der hartaberfair Sendung vom 02.05.2016 zum Thema „Bewährung für Täter, lebenslang für Opfer – urteilen unsere Richter zu lasch?“.

Wahrnehmung trifft Wirklichkeit?

Jeder zweite Deutsche empfindet laut einer Allensbach-Umfrage, dass die Gerichte zu milde urteilen. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders schließt sich diesem Meinungsbild an und stellt in Frage, ob viele Urteile überhaupt den Beisatz „im Namen des Volkes“ verdient hätten.

Zumindest der Wahrnehmung nach viel zu milden Strafen, wollte der Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Greifswald, Stefan Harrendorf, in Punkto Wohnungseinbruchsdiebstähle etwas entgegensetzen. Nur 19 Prozent der in einer repräsentativen Umfrage befragten Bürger, haben sich in einem skizzierten Fall (vorbestrafter Täter, stielt bei einem weiteren Einbruch einen Fernseher) für eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung ausgesprochen. Etwa die Hälfte meinte, der Einbrecher solle gemeinnützige Arbeit leisten – auch wenn dies im deutschen Erwachsenenstrafrecht gar nicht vorgesehen ist.

Gabriele Kett-Straub, Professorin für Strafrecht, Sanktionenrecht und Kriminologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, fügt hinzu: „Deutsche Richter urteilen nicht zu milde“ und verweist auf einen Trend der vergangenen Jahre, in denen eher schwerere Strafen verhängt wurden. „Die neueste Strafvollzugsstatistik, die erst vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Gefangenenzahlen nun schon seit einigen Jahren deutlich rückläufig sind.“ Darüber hinaus sei die Kriminalität in Deutschland auch insgesamt – insbesondere bei Gewalttaten – rückläufig, so die Rechtswissenschaftlerin. „Dies werde allerdings in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen“.

Mehrere Einbrüche im Kreis Paderborn

Realität ist aber auch, dass die Serie von Einbrüchen im Kreis Paderborn offenbar nicht abreißt. Seit Freitag waren wieder mehrere Einbrecher vor allem rund um Paderborn unterwegs.

Einmal wurde ein Täter sogar fast auf frischer Tat erwischt. Die Besitzer eines Einfamilienhauses in Paderborn-Dahl waren am Freitagvormittag nach Hause gekommen, da war der Einbrecher noch im Haus und suchte offenbar im Erdgeschoss schnell ein Versteck. Als die Bewohner nach oben gingen, nahm er „die Beine in die Hand“ und flüchtete ohne Beute aus dem Haus. Fast zur gleichen Zeit kam es zu einem Einbruch in einem Wohn- und Geschäftshaus in Bad Wünnenberg, wo alle Räume durchwühlt worden sind. Aus einem weiteren Haus in Paderborn-Neuenbeken wurde darüber hinaus Bargeld und ein kleiner Tresor geklaut. Und als wäre dies nicht genug, drang noch ein Einbrecher in der Nacht von Samstag auf Sonntag gewaltsam in ein Mehrfamilienhaus in Sennelager ein, wo sämtliche Räume zweier Wohnungen im Untergeschoss durchsucht wurden und fünf Armbanduhren, diverser Silber- und Modeschmuck sowie der Ersatzschlüssel eines Audi S5 entwendet wurde.

Anzeige