Kartelle kosten den deutschen Verbrauchern Milliardenbeträge. Die Bußgelder fallen oftmals in die Millionen, sind jedoch nach Expertenmeinungen viel zu milde angesetzt. Die Wettbewerbshüter vernachlässigen nach Meinung vieler Experten die eigene Ermittlungsarbeit und verlassen sich zu sehr auf die 1996 eingeführte Kronzeugenregelung (Meinung & Studie der Universität Amsterdam zur Kronzeugenregelung).

Auch gewerbsmäßige Händler besonders im E-Commerce stehen unter der Preislupe der Hersteller. Dabei ist es Herstellern nach § 21 Abs. 1 GWB, § 1 GWB verboten auf die Preisgestaltung von Händlern Einfluss zu nehmen (siehe Urteil BGH vom vom o6.11.2012 – KZR 13/12, wo ein kritisches Nachhaken des Herstellers zur Preiskalkulation den Tatbestand bereits erfüllte.

Auch der Geschäftsführer Adam Szpyt von der bett1.de GmbH wollte seinen Kunden Matratzen zu fairen Preisen im Onlineshop anbieten und wich vom UVP der Hersteller ab. Nach zahlreichen Drohungen seitens der Hersteller, anschließender mangelhafter oder stark verzögerter Lieferungen erfolgte irgendwann von den größten Matratzen Herstellern gemeinsam (Kartell Verdacht) der komplette Lieferstopp – der Supergau eines jeden Händlers. Nachdem die Rechtsmittel keinen schnellen Erfolg versprachen, wurde er selbst Matratzen Hersteller und nannte das neue Produkt sogleich Body Guard – Anti-Kartell Matratze, welche bereits für 199 € erhältlich ist und von der Stiftung Warentest am 22.05.2015 nicht nur mit Bestnoten ausgezeichnet wurde sondern sogleich den Titel „beste jemals getestete Matratze“ verliehen bekommen hat. Vergleichbare Matratzen kosten sonst 400-1.000 €. Das Geschäftsmodell ging auf und mittlerweile müssen sich Kunden Wochen gedulden, bis sie auf ihrer neuen Matratze schlafen können, weil der Andrang so groß ist.

In einer am 17.08 erschienenen WISO Dokumentation wird nicht nur dieser Fall ausführlich belichtet, sondern auch auf die zahlreichen weiteren Kartelle der Vergangenheit und aktuell bestehenden Verdachtsfälle eingegangen. Z.B. aus dem Sanitärbereich. In der Dokumentation ebenso ersichtlich: Viele Händler genießen den Vorzug nicht im Preiskampf der Produkte zu stehen oder fürchten sich vor eben genau diesen Supergau durch die Hersteller.

Auch in Paderborn wurden & werden vermutlich weiterhin zahlreiche Händler von verschiedenen Herstellern in Regress genommen, wenn sie sich im Sinne des Absatzes und Verbrauchers mit Rabattaktionen oder attraktiven Preisen weiterentwickeln und sich dem Preisdiktat entziehen wollen.

Nicht nur die Wettbewerbshüter haben derartige Machenschaften der Hersteller nach den zahlreichen Medienberichtserstattungen der Vergangenheit verschärft im Blick. Es ist auch im Sinne aller Verbraucher, wenn Händler über ihre Rechtsmittel nach § 21 Abs. 1 GWB, § 1 GWB Bescheid wissen und Lösungsansätze, selbst zum Hersteller zu werden, unter Vorbild von Herrn Szpyt ins Blickfeld nehmen.

Gerne könnt ihr diesen Beitrag teilen, damit die Thematik im Sinne der Verbraucher & Händler weitere Verbreitung findet und in Zukunft auf Aussagen wie „das ist der UVP des Herstellers – davon dürfen wir nicht abweichen“ eine passende Antwort parat ist.

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