340 Millionen männliche Küken seit 2008 getötet

Seit 2008 sind laut NRW-Agrarministerium rund 340 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet worden. Der Grund: Die Brütereien beklagen einen unverhältnismäßig hohen Aufwand mit der Aufzucht männlicher Küken. Da die Betriebe überwiegend Legehennen züchten, sodass das Fleisch der männlichen Küken in der Mast nicht ausreichend Fleisch ansetzen würde, betätigt man sich dieser grausamen Beseitigung neuer Lebewesen, obwohl dieses Verfahren sowohl politisch als auch gesellschaftlich unlängst keine Akzeptanz mehr genießt.

Land NRW ging per Erlass gegen Brütereien vor und scheiterte vorerst

Das Land NRW hatte im September 2013 als erstes Bundesland per Erlass die Ordnungsbehörden aufgerufen, dieses Verfahren zu verbieten. Das Verbot trat dann Anfang 2015 in Kraft. Doch gegen diesen Erlass wehrten sich elf Brütereien aus den Kreisen Paderborn und Gütersloh und erhielten sowohl am Verwaltungsgericht Minden wie auch am Oberverwaltungsgericht in Münster grundsätzlich Recht. NRW Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) möchte dieses Urteil nicht akzeptieren und kündigte an, dass man ein wegweisendes Grundsatzurteil erwirken möchte, um das massenhafte Töten männlicher Küken durch Schreddern oder Vergasen zu stoppen.

Kreis Paderborn und Gütersloh ziehen zu Not bis zum Bundesverwaltungsgericht

Die Kreise Paderborn und Gütersloh wurden daher ermutigt Beschwerde gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster einzulegen, auch wenn das Gericht eine Revision nicht zugelassen hatte. Die absurd klingende Begründung des Gerichts lautet: Da „die Tötung der Küken Teil der Verfahren zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch“ ist, sei dieses Verfahren im Sinne des Tierschutzgesetzes ein „vernünftiger Grund“.

Doch selbst wenn die Beschwerde scheitet und auch das Verfahren beim Bundesverwaltungsgericht keinen Erfolg verspricht könnte es bald einen Erfolgssprung gegen die Massentötung geben:

Heutige Alternativen gegen das Küken-Schreddern

4 Cent pro Ei für ein Kükenleben

Auch heute gibt es schon einige Alternativen, um auf das Frühstücks-Ei nicht zu verzichten und trotzdem keinen moralischen Konflikt durch das vorangegangene Küken-Schreddern auf sich zu laden. So sind z.B. die Geflügelhalter der „Bruderhahn Initiative Deutschland“ (BID) Demeter- und Biolandbetriebe, welche die Bruderhähne ebenso mit aufziehen und hierzu lediglich einen Zuschlag von 4 Cent pro Ei verlangen.

„Spitz & Bube“-Angebot der REWE-Group


Das erste Pilotprojekt im konventionellen Bereich ist das „Spitz & Bube“-Angebot der REWE-Group. Dort werden sowohl den Legehennen die Schnäbel nicht gekürzt (daher der Name: Spitz), als auch die männlichen Küken mit aufgezogen. Die Legehennen werden in Freilandhaltung gehalten und sie erhalten wie ihre Brüder gentechnikfreie Futtermittel. Ihre Brüder werden nicht unter ökologischen Bedingungen aufgezogen, sondern konventionell, jedoch mit mehr Platz im Stall. Sie werden rund 80 Tage lang gemästet. Die cremefarbenen Eier von „Spitz und Bube“ sind in den Rewe-Märkten in NRW sowie im Norden von Rheinland-Pfalz zu beziehen.

Zukünftige Alternativen zum Küken-Schreddern

Geschlechtererkennung vor dem Schlüpfen mittels DNA-Erkennung

Ein Forschungsprojekt zur DNA-Erkennung in Leipzig/Dresden läuft Ende 2016 aus. Hierbei wird durch ein Gerät mit Lasertechnologie ein kleines Loch in das drei Tage bebrütete Ei gefräst und mittels einer Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie das Geschlecht des Embryos bestimmt. Entsteht eine Henne, wird das abgeschnittene Schalensegment wieder angeklebt und das Küken ausgebrütet. Wenn es ein Hahn wird, wird das Ei entsorgt. Zumindest im Gegensatz zum aktuellen Verfahren bedeutet dies eine zwar immer noch moralisch fragliche Vorgehensweise, aber zumindest empfinden die heranwachsenden Lebewesen in diesem frühen Entwicklungsstadium noch keinen Schmerz. Die Geschlechtsprüfung und der Wiederverschluss des Eies soll nur wenige Sekunden dauern. 2017 soll diese Methode einsatzreif sein.

Tierschützer fordern Zweinutzungshühner

Tierschützer wollen unterdessen eine komplette Abkehr vom aktuellen Verfahren und fordern Zweinutzungshühner, die sowohl von Brütereien und Fleischproduzenten eingesetzt werden können. Das Landwirtschaftsministerium fördert zu diesem Zweck aktuell ein Versuchsgut in Niedersachsen.

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