Veranstaltungsbericht aus Paderborn: Wo kann ich mit gutem Gewissen meine Kleidung kaufen?

Das war ausgerufenes Thema bei der von der gemeinnützigen Gesellschaft cum ratione organisierten Veranstaltung am vergangenen Mittwochabend in Paderborn.

Obwohl Wochen vor der Veranstaltung sieben große Einzelhändler und Textilproduzenten aus OWL eingeladen wurden – erschienen ist keiner. Urlaub und terminliche Probleme seien Schuld – das sensible Thema scheint unbeliebt zu sein.

Umso mehr beschäftigte die Vielzahl erschienener Bürger die Frage, wie man denn nun guten Gewissens bei dem Bekleidungseinkauf vorgehen sollte. Der Veranstaltungsraum in der Bank für Kirche und Caritas war komplett besetzt.

Fehlende Arbeitssicherheit – Einatmung giftiger Chemikalien, Kinderarbeit, Diskriminierung von Frauen, fehlende Gewerkschaften, Zwangsarbeit & Niedriglöhne sind nur einige Stichpunkte unter denen Arbeiter aus Fernost in der Textilwirtschaft zu leiden haben.

Kritisiert wurde auch die fehlende Transparenz zu den Arbeitsbedingungen der Überprüfungsinstitutionen wie z.B. dem TÜV.

Das freiwillige Verantwortung nicht ausreicht, zeige der Fabrik Brand in Bangladesch 2012, wo 125 Arbeiter starben und 150 verletzt wurden.

Als Verbraucher solle man bewusster und weniger Kleidung kaufen. Siegel wie Fairtrade oder Fair Wear geben Orientierungshilfe. Hierbei ist fair produzierte Kleidung gar nicht so teuer wie viele denken.

An Hand von Markenartikeln könne man sein Gewissen jedenfalls nicht beruhigen. Nach Prof. Dr. Gisela Burckhardt vom Verein FEMNET zeigen die Recherchen, dass z.B. Hugo Boss zum Teil in den gleichen Fabriken produziert wie auch Esprit, C&A und H&M.

Zumindest das Modeunternehmen Maas Natur aus OWL konnte sich für die Veranstaltung begeistern. Doch dies fällt angesichts der dortigen Philosophie, ausschließlich auf fair produzierte Kleidung zu setzen, im Gegensatz zu manch anderem Einzelhändler und Textilproduzenten auch leicht. Nachdem bei Maas-Natur aktuell rund 70 % des Umsatzes mit Damenoberbekleidung erzielt wird, soll die Herrenkollektion auf Grund stetiger Nachfrage in Zukunft ausgeweitet werden.

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