Ursprung der Schmerzensgeld-Forderung

Erkennt ein Arzt eine Krebserkrankung durch einen groben Behandlungsfehler zu spät, kann für den späteren Tod des Patienten ein hohes Schmerzensgeld verlangt werden, selbst wenn der Anlass der Untersuchung nicht unmittelbar auf eine Krebserkrankung hindeutet. Dies hat nun der Bundesgerichtshof nach einem Behandlungsfehler Paderborner Hautärzte bestätigt.

Zum Hergang des Behandlungsfehlers

Die Ende 2013 an Hautkrebs verstorbene Ehefrau des nun als Kläger auftretenden Witwers aus Bad Lippspringe suchte 2009 die Gemeinschaftspraxis der beschuldigten Ärzte in Paderborn auf, nachdem sich ihr Zehennagel in Folge einer Stoßverletzung verfärbte. Auf Anraten der Ärzte wurde eine Nagelprobe zur histologischen Untersuchung eingereicht. Bis auf einen bakteriellen Infekt wies das Ergebnis aber keine Auffälligkeiten auf, sodass weitere Behandlungen oder Untersuchungen unterblieben.

Erst nachdem sich die Verfärbung auch im Folgejahr nicht zurückgebildet hatte, suchte die Patientin erneut einen Hautarzt auf, der schließlich Hautkrebs diagnostizierte. Im Dezember 2013 verstarb die Ehefrau des Klägers. Es hatten sich inzwischen Metastasen in Lunge und Lymphknoten gebildet.

Die Urteilsbegründung des Oberlandesgerichts Hamm

In der Urteilsbegründung des OLG Hamm (Urt. v. 27.10.2015, Az. 26 U 63/15) wurde die von den Ärzten durchgeführte histologische Untersuchung bemängelt. Selbst wenn die Patientin lediglich von einer Stoßverletzung berichtet hatte, hätten die Ärzte eine umfassende Differenzialdiagnostik durchführen müssen, um eine Krebserkrankung auszuschließen. Die Nagelprobe sei nicht aus dem Bereich der möglichen Krebserkrankung entnommen worden.

Die Richter bewerteten das Verhalten der Ärzte in der Gesamtheit als groben Behandlungsfehler, sodass eine Beweislastumkehr hinsichtlich der zurechenbaren Folgen eintrat. Es war somit Sache der beklagten Ärzte, zu beweisen, dass der Tod der Patientin nicht aufgrund ihrer fehlerhaften Behandlung eingetreten war. Durch ein eingeholtes Sachverständigengutachten ging das Gericht letztlich davon aus, dass durch eine rechtzeitige Amputation des Zehengrundgliedes eine hypothetische Chance bestanden hätte, das Leben der Frau zu retten.

Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil des OLG Hamm

Nachdem die Berufung der Paderborner Hautärzte vor dem Bundesgerichtshof gescheitert ist, stehen dem Witwer aus Bad Lippspringe nun 100.000 Euro Schmerzensgeld zu.

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